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Joybots  in der BMW-Welt >
 Joybots - Gegenwart und Geschichte der Expo2000-Roboter

Gegenwart

Im Sommer 2009 fragte die BMW Autowelt München an, ob sie einen "kleinen Schwarm" Expo-Roboter im Mittelgang des monumentalen Showroom "BMW Welt" am Petuelring vor den Pforten des Werk 1 in München einsetzen könnten.
Hierfür musste das bestehende System umfänglichen den räumlichen Gegebenheiten in der BMW Welt angepasst werden.

perfekte_kurve1100520173947Die Podeste der festen Installation im Haus lagen teilweise jenseits der Scan-Breiche der Bordsensorik. Zudem sollten sog. "no go"-Areas definiert werden, die von den Robotern automatisch gemieden werden.
BBM testeten daraufhin diverse Tracking-Systeme, die auf Funk, Video und Infrarot basierten. Dies war nicht nur technisch, sondern auch ästhetische eine komplexe Aufgabe.
Zum einen durften keine äußerlich sichtbaren Eingriffe in die Architektur von Coop Himmelb(l)au vorgenommen werden.

Zum anderen sollte das System so verläßlich funktionieren, wie es BMW Kunden von den Automobilen gewohnt sind. Schließlich sollte - ganz im Einklang mit der Kampagne "Freude ist..." - das Zuschauen Spaß machen.





BBM entschieden sich schließlich für eine überarbeitete Variante ihrer eigenen Entwicklung aus dem TROIA-Projekt, einem Sensor für Interaktion, der auf gepulsten Infrarotsiganlen beruht, die  für das menschliche Auge unsichtbar sind. Sie erreichen eine Genauigkeit von der Größe eines Robotergrundrisses.
Diese Sensoren mit ihrer neuen Reichweite von nun fast 50 Metern wurden geschickt in der Deckenarchitektur der "Welt" versteckt und steuern so, ohne dass Zuschauer im Sichtfeld der Sensoren geraten können, sicher das ganze System und stecken die Spielfläche ab.

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In die Roboterhauben wurde zudem ein eigens für BBM gefertigtes LED Matrixmodul als Laufschriftband eingebaut, das sich der amorphen Form der Hülle der Roboter harmonisch anschmiegt.

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Geschichte


Als die Roboter der Künstler-Gruppe BBM nach zwei Jahren Entwicklungszeit im Juni des Jahres 2000 auf der Expo in Hannover das Licht der Welt erblickten, dauerte es nur wenige Sekunden und die Medien hatten für sie einen Kosenamen erfunden:
„Expo-Eier“ hießen sie wegen ihrer ungewöhnlichen Form und einer cremeweißen Schale, die an den Ursprung allen Lebens erinnert.

Schon ein Jahr vor der Eröffnung, als das allererste „Expo-Ei“ der Öffentlichkeit vorgeführt wurde, widmete die „Süddeutsche Zeitung“ dem spektakulären Projekt von BBM-Gründer Olaf Arndt eine ganze Seite:
„Der Zukunftsmacher“!

Endlich hatte die erste deutsche Weltausstellung ihre lang gesuchte Sensation: freundliche Roboter, noch dazu gleich ein ganzer Schwarm – 72 sympathische Wesen.
1,3 Mio Menschen aus aller Welt kamen, schauten, staunten und spielten mit den Robotern: ein bleibendes Symbol für intelligente Kommunikation.

STERN, SPIEGEL, FOCUS und viele Fernsehsender überboten sich gegenseitig mit euphorischen Meldungen. Man nannte die „Eier“ bald den „Eiffelturm des 21. Jahrhunderts“.

DIE WOCHE lobte: „Oscar für die klügste Inszenierung der Expo!”. Der Architekt des Deutschen Pavillon Johannes Milla nannte die „blau-weisse Revolution” schlicht den „besten Medienraum, der je realisiert wurde.”
Das Mammut-Projekt (11 Millionen Euro Produktionspreis) durften die Künstler selbst leiten – mit Unterstützung von Europas größtem Medienkunst-Zentrum, dem ZKM Karlsruhe, dem Forschungsinstitut Fraunhofer und der Bremer High-Tech Firma „Multiplex“, die für die Roboter die auffälligen Schalen produzierte.

Das Konzept schärfte Projektleiter Olaf Arndt gemeinsam mit dem populärsten Interessenten, der Disney Imageneering. Der Entwicklungsleiter von Walt Disneys Themenparks, Orrin Shively, wollte die Roboter gern nach der Expo2000 für den Standort EPCOT in Orlando, Florida übernehmen.

Doch die Expo GmbH entschied sich anders und verkaufte die Roboter an die Stadt Oberhausen, wo sie Teil des gigantischen Wissenschaftsparks „OVision“ werden sollten.
Als die „OVision“ 2006 endgültig ad acta gelegt wurde, konnte der Künstler Arndt das Projekt privat zurück erwerben und technisch auf Stand bringen.

Arndt versicherte sich der Mitarbeit des Weltmeisters für Robotik, Dr. Holger Kenn (Robocup 2006), der für die Microsoft Forschungsabteilung EMIC arbeitet.

Fast eine Dekade nach der gefeierten Premiere auf der Welt-ausstellung zur Jahrtausendwende und nach einem Gastspiel auf der Weltausstellung 2005 in Japan fahren die „Eier” heute wieder. Sie sind jetzt noch schlauer und mit modernsten High-Tech- Laser-Sensoren ausgestattet, sowie mit einer zeitgemässen Software, mit der sie sich “autonom” (selbstständig) im Raum orientieren.

So gelingt es BBM wiederum, eine „Attraktion der E-Kategorie” (O. Shively) ins Leben zu rufen: das E steht für Entertain, Educate und Empower (unterhalten, bilden, ermöglichen).


Ausstattung der Roboter

Jede der 72 Maschinen ist unabhängig von ihrer Größe mit folgenden Grund-Komponenten ausgestattet:
- Hokuyo Laserscanner
- Robuste Antriebseinheit mit 24 V Elektromotoren von Meyra
  (Rollstuhlhersteller)
- solider Stahlrahmen, lackiert
- einstellbare Motorsteuerungen
- hochwertige Inkrementalgeber zur Feinmessung von
  Radumdrehungen
- Kompass
- IR Dioden zum Empfang der Sendedaten des TROIA IR-Positioniersystem
- Steuerrechner (unter Linux)
- TROIA-„Embedded Board”-Computer für Fahrverhalten
- Trafos für Niedervoltversorgung der Computer
- je 2 Batterien 12 Volt 160 Ampere Blei-Gel, wartungsfrei
  von Sonnenschein, hergestellt von Exide in Europa
- Batterieladegerät Industriestandard Tebechop
- DC-Konverter für 220 V-Versorgung (1000 W)

GFK-Hauben                                                                                                               jools_ei10052510333
hergestellt im Vakuum-Injektionsverfahren
erhältlich in 3 Varianten

Maxi : L 450 cm, B 225 cm, H 300 cm,
Bodenfläche 7,9 qm

Midi : L 240 cm, B 150 cm, H 160 cm,
Bodenfläche 2,6 qm

Mini : L 165 cm, B 122 cm, H 110 cm,
Bodenfläche 1,6 qm

Projekt-CI: Janneke Schönenbach, Berlin
Medien: Lillevan Pobjoy und Zaji Chalem, Berlin
Projektleitung Software Fahrverhalten: Dr. Holger Kenn
Programmierung Fahrverhalten: Zsolt Barat, BBM Berlin und Christian „Jason” Peper
Hardwareentwicklung: Lars Vaupel, BBM Hamburg
Chassis: Maarten Kippenbroek und Mikis Vierath, BBM Bremen
Hauben: Multiplex GmbH, Jan Reiners Bremen


Beteiligte Personen

Olaf Arndt, Künstler, Kurator, Autor. Gründer der Performancegruppe „Beobachter der Bediener von Maschinen” BBM (Berlin 1989). Szenograph des Themenpark „Wissen” auf der Weltausstellung Expo2000. Künstlerischer Leiter des EU-Kultur 2000 Projektes TROIA (Berlin 2004-2006). Kurator von „EMBEDDED ART: Kunst im Namen der Sicherheit” (Berlin 2009)

Dr. Holger Kenn, „software engineering”, Weltmeister für „Rescue Roboting”, Robocup 2006.
Weitere Stationen: AI Lab VUC Brüssel, IUB/Jacobs University Bremen; TZI Bremen, derzeit am Forschungszentrum EMIC der Microsoft Corp Aachen, www.cubeos.org/kenn

Prof. Maja Mataric begleitete die „Expo-Roboter” von der ersten Stunde an und schrieb das entscheidende Gutachten für die Machbarkeitsstudie. Sie arbeitete zunächst am MIT Boston in der Mars-Arbeitsgruppe von Rodney Brooks; heute ist sie Professorin für Computer Science and Neuroscience, Direktorin des Center für Robotics and Embedded Systems (CRES) an der University of Southern California. www-robotics.usc.edu/~maja

Zsolt Barat, open-source Entwickler, Co-Autor von MPlayer, mehrfach ausgezeichnet, u.a. Linux Award 2005
www.softmonsters.com

Lars Vaupel, Elektrotechniker, Entwickler von „custom made”-Steuerungen für für internationale Künstler wie Stelarc (AUS), Jon Kessler (USA), Lutz Dammbeck (D). www.bbm.de

Janneke Schönenbach, Grafik-Designerin und Künstlerin. Künstlerische Leiterin des EU-Kultur 2000 Projektes TROIA (Berlin 2004-2006). Kuratorin von „EMBEDDED ART: Kunst im Namen der Sicherheit” (Berlin 2009).

Maarten Kippenbroek und Ralf Taubitz, Künstler. Kippenbroek begleitete bereits im Jahr 2000 den gesamten Produktionsprozeß und zeichnet auch im Jahr 2010 für die technische Wiederinbetriebnhame verantwortlich. Gemeinsam mit Taubitz entwickelte er die Voraussetzungen für den Einbau eines neuen Displaysystems, das auf 64er RGB-Matrixmodulen basiert, die in die amorphe Hülle der Roboter von innen bündig eingeklebt wurden. Die Module wurden eigens für das BMW-Projekt hergestellt.