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20 Jahre BBM - Die gezielte Enttäuschung

BBM sind oft gefragt worden, wie sie ihr Verhältnis zur "Gegenseite" definieren. Für den oberflächlichen Betrachter scheint die von BBM gewählte Strategie lakonischer Wiederholung, die Technik der auf den ersten Blick engagement-freien Darstellung bestimmter Aktionsmuster von Militär, Autoindustrie, politischer Justiz oder der gewaltförmigen Aspekte deutscher Geschichte bisweilen zu sehr 1:1, also affirmativ zu sein.

In den ersten zehn Jahren von BBM bezog sich dieser Verdacht der "Identität mit dem Feind" auf die Finanzierung der Projekte. Staatliche Mittel allein reichten meist nicht aus für die aufwändigen Inszenierungen. Also kamen früh Firmen mit ins Boot. Das war damals noch unvertraut im wohl ausstaffierten Westdeutschland vor der Erfindung des Begriffs Sponsoring. Unsere Antwort war klar und unmissverständlich. Wir nehmen Geld. Das ist unser Zugeständnis an die herrschenden Verhältnisse. Wir nehmen Geld aber nur, wenn sich keine inhaltlichen Konditionen daran binden. Die Arbeit bleibt frei. Auflagen, auch gut gemeinte, haben wir nie akzeptiert. Dass wir es direkt von den Sponsoren nahmen, änderte für uns nichts im Vergleich zur staatlichen Kulturförderung. Beides sind Steuermittel, resp. Budgets, die sich von der Steuer absetzen lassen. Oft hatte die Behörden sogar erheblich weitreichendere Phantasien darüber, was sie verlangen könnten. Und mit der Erfindung der Initiativprojekte kurz vor der Jahrtausendwende kam die Exceltabelle im gleichen Paket. Die Bundeskulturstiftung und ihre Kuratoren bekleideten nun die Rolle des ängstlichen Aufsichtsrates für Kultur. Seither lässt sich freie Kunst leichter mit Firmen als mit Behörden produzieren. Auch erstarkte befremdlicherweise im selben Schritt die mäzentische Geste, auch bei der Vergabe von Steuergeldern.
Und schließlich: Linientreue erhielt eine neue Dimension. Das frisch geschaffene Kunstministerium forderte bedingungslose Unterwerfung, zwar jenseits der parteipolitischen Fragestellungen, aber dennoch Unterwerfung unter ein staatlich gelenktes Programm.

In den zweiten zehn Jahren des Bestehens von BBM kam die Frage nach nötigen der Distanz zum thematisierten Objekt mehr aus der technischen Ecke. Der Lettrist Isidor Izou hat hierzu in seinem Pamphlet "Traktat über Schleim und Ewigkeit" bereits in den fünfziger Jahre, als Avantgardist der ersten medienkritischen Bewegung, die wenig später als "Situationismus" weltberühmt wurde mit dem -nebenbei bemerkt: weit überschätzten- Buch "Die Gesellschaft des Spektakels", jener prä-Situationist Izou hat damals bereits sehr treffend vorhergesagt, dass Kunstwerke sich den marktgängigen Formaten verweigern müssen und den marktorientierten, die Verdauung erleichternden Strukturprinzipien. Etwas Bedeutendes, zum Beispiel ein Film oder eine Inszenierung, müsse eine quälende Länge und Intensität haben, um den Prozeß seiner Rezeption selbst zum Teil einer lebensnahen Erfahrung zu machen. Es müsse Widerstand, Verwirrung und Ablehnung erzeugt werden, oder, wie BBM es schon 1991 formuliert haben: Kunst muss absichtlich enttäuschen, also die durch sie geweckte, bürgerlich-konsumistische Erwartung widerlegen.

Wir haben Izou in den folgenden Jahren weiterhin so verstanden: Wenn etwas Künstlerisches einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen will, muss es selbst die Größe des Systems erlangen, das es kritisch beschreibt oder analysiert.

Je avancierter nun die eigenen Projekte wurden, desto mehr schlich sich bisweilen bei einigen Betrachtern die Verschwörungstheorie ein, BBM würden inzwischen vielleicht heimlich von Wirtschaft und Militär unterstützt. Man fand die Logos nicht, die für das vermutete Wirken der Konzerne im Hintergrund der schlagende Beweis wären. Nach einer Präsentation des Projektes TROIA (Technologien politischer Kontrolle) im Kulturprogramm der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin etwa wollten desorientierte Zuhörer Kaufadressen für den Elektroschocker Taser erfragen und es fand ein Anwerbungsversuch durch eine begeisterte Gruppe von NLP-Experten statt.

Man wollte nicht gern glauben, dass das, was im Fernsehen als Abbild der Vernichtungsmaschine erkennbar wurde, als die der erfolgreiche kapitalistische Staat zunehmend auftritt, und mit dieser Vorbildfunktion allmählich den Alltag und das Denken seiner Mitglieder militarisiert, das dieses Abziehbild einer "wehrhaften Demokratie" mit den minimalen Bordmitteln eines Kunstbetriebes und einiger choreografischer Intelligenz täuschend echt nach zu inszenieren sei. Man wollte glauben, so täuschend "echt" könne nur das kritisierte System selbst auftreten.

Und damit sind wir bei der Kernfrage: vielleicht ist potentielle "Vernichtungskraft" gar nicht das wesentliche Differenzierungskriterium, sondern der Wille, diese Kraft zur Vernichtung einzusetzen. Die Konstruktion einer erwünschten Welt ist, so unterschiedlich die Wünsche auch aussehen mögen im Detail, das fatal Identische von künstlerischer und militärischer Phantasie.

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